< zurückblättern
Index
vorblättern >

machten. Ohne Hiebe verging kein Tag und es gehörten alle fünf Sinne dazu, um nicht das Missbehagen eines dieses militärischer Untergötter zu erregen. Trotz aller gebrauchten Vorsicht verfiel Stülpner doch dem Hasse seines Korporals und würde, da er sich demselben widersetzte, zur schweren Strafe gezogen worden sein, wenn nicht seine Kameraden in der Korporalschaft bei angestelltem Verhöre alles Das leugneten und von dem nichts wissen wollten, was zwischen dem Korporal und Stülpner sich vor ihren Augen begeben hatte. Diese Differenz beruhte auf einer ganz geringfügigen Ursache. Korporal Ballmann, ein von Natur böser und niederträchtig heuchelnder Mensch, konnte das Lob, welches Stülpner als bester Schütze des Infanterie –Regiments Prinz Heinrich erhielt, nicht ertragen und suchte ihm zu schaden, wo er nur wußte.

     Der Stumpfen eines von Stülpner gebrauchten Talglichtes, das auf dem Halse einer den Dienst als Leuchter versehenden Flasche steckte, war von einem aus der Korporalschaft heruntergenommen und auf den Tisch gelegt worden, auf welchen Ballmann, ohne das Endchen Talglicht zu bemerken, da er früh drei Uhr vom Pikett nach Hause gekommen, sein Notizbuch legte. Beim Aufstehen zeigte sich, daß das Büchelchen durch das Talglicht einen Flecken bekommen hatte. Der Schaden wäre leicht zu bessern gewesen, aber Ballmann, wütend darüber, zog, nachdem er erfahren, daß Stülpner der Eigentümer des Lichtstümpfchens sei, ihm einen derben Hieb mit dem Stock über den Rücken. Ganz gewiss würde ein zweiter gefolgt sein, wenn Stülpner so ruhigen Blutes gewesen wäre, dergleichen Ausbruch von roher Ungerechtigkeit

306

< zurückblättern
Index
vorblättern >