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Abend vorm Schlafengehen vergessen zu haben glaubte. Vergebens ward Haus, Hof und Scheunen durchsucht. Hier war er nicht mehr, vielleicht bei der Mutter. Die Gerichtsmänner mussten den Korporal auf dessen Befehl dahin begleiten, aber trotz der ausgesuchtesten Grobheit, trotz der Legionen Teufel, die Korporal Stange aus der Hölle herbeifluchte, war auch nicht die Spur vom Rekruten Karl zu finden. Nun wurden Treibjagden gehalten, das halbe Dorf war auf den Beinen, um den Verschwundenen aufzugattern, aber da bekam der Korporal schier ein Gallenfieber vor Ärger über das Bauervolk, das tat gar nicht, als ob ihm die Sache so sehr am Herzen läge, es rannte wie blind hinaus aufs Feld, da war freilich Niemand, der nur eine Ähnlichkeit mit dem Entsprungenen hatte, zu sehen.

 

     Wütend über diesen „dreitausendmal in den Abgrund der Hölle hinein verwünschten“ Streich sah sich Korporal Stange genötigt, mit seiner lumpigen Gesellschaft nach Chemnitz zu marschieren. Das war ein höchst ärgerlicher Marsch, denn die Notwendigkeit, seinem Hauptmanne rapportirren zu müssen, der beste seiner Rekruten sei ihm durchgebrannt und zwar auf eine Weise, die kein Mensch begreifen konnte, war für den würdigen Korporal eine Selbstanklage, an der er fast erstickte. Kurz vor dem Dunkelwerden traf er in Chemnitz ein. Seine lumpige Gesellschaft hatte seinen Zorn unterwegs schon ausbaden müssen, denn er hatte seinen Stock während dem Marschieren einige Male auf höchst unhöfliche Manier mit ihren Rücken Bekanntschaft machen lassen.

     „Nun, wie sieht Er denn aus, Korporal Stange,

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