589. Der Spitzberg bei Pfaffengrün. E-Mail

(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 51.)


Bei dem Dorfe Pfaffengrün steigt ein Basaltkegel empor, der gleichsam ein von dem Bergesheer des Erzgebirges hinausgeschobener Vorposten ist. Er führt seines scharf zugespitzten Gipfels wegen den Namen Spitzberg, wird aber auch Kreuzberg genannt, weil seine äußerste Spitze ein Kreuz aus Fichtenholz ziert.

Die Sage berichtet, dass die Pfaffengrüner, als sie einstmals am Spitzberge das erste Kreuz aufgerichtet hatten, ein fröhliches Fest feierten und sich auf dem Dudelsack eines aufspielen ließen, als ob Kirmes gewesen wäre. Aber dieses Gedudel der Sackpfeifer war dem Herrn im Himmel nicht wohlgefällig, insonderheit, weil die Pfaffengrüner dabei tanzten, denn er ließ mitten in Spiel und Tanz ein Wetter heraufziehen. Während nun der Himmel ihnen mit seinen Posaunen gehörig aufspielte, dass es eine Art hatte, als ob es die Berge aufreißen wollte, fuhr plötzlich der Blitz in das Kreuz. Die Pfaffengrüner sahen alsbald ihr Unrecht ein, sie krochen ganz mäuschenstille auf den Spitzberg und errichteten dort beim Rosenkranzbeten ein neues Kreuz.



 
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